Ein Austauschmotor ersetzt den defekten Motor durch einen anderen: gebraucht aus einem Unfallfahrzeug, überholt von einem Instandsetzer oder fabrikneu vom Hersteller. Bei schweren Schäden wie Kolbenfresser, Lagerschaden oder gerissenem Block ist das meist der wirtschaftlichere Weg gegenüber der Motorinstandsetzung.
Was ein Austauschmotor kostet, hängt von drei Dingen ab: welche Qualität Sie kaufen, welcher Motor es ist und ob der Einbau dabei ist. Alle drei Punkte werden hier erklärt, mit den Werten, die AUTO BILD bei Instandsetzern und Händlern erhoben hat.
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Gebraucht, überholt oder neu: der Unterschied
| Gebrauchter Motor | Überholter Austauschmotor | Neuer Motor (Hersteller) | |
|---|---|---|---|
| Herkunft | aus Unfall- oder Schlachtfahrzeug | zerlegt, vermessen, mit Neuteilen aufgebaut | Werk |
| Laufleistung | wie das Spenderfahrzeug | Block gelaufen, Verschleißteile neu | 0 km |
| Ersetzte Teile | keine | Lager, Kolbenringe, Dichtungen, Steuertrieb, oft Kolben | alle |
| Prüfung | meist nur Kompression, Sichtkontrolle | Vermessung, Probelauf | Werksprüfung |
| Gewährleistung | gesetzlich zwei Jahre, bei Gebrauchtteilen mit gesonderter Vereinbarung auf ein Jahr verkürzbar | gesetzlich zwei Jahre; seriöse Instandsetzer geben laut AUTO BILD meist zwei Jahre | gesetzlich zwei Jahre |
| Risiko | Historie unbekannt | gering, wenn eine Arbeitsliste vorliegt | kein technisches, hoher Preis |
Der gebrauchte Motor ist die Lotterie: manchmal ein Motor mit wenig Kilometern aus einem Heckunfall, manchmal ein Motor, der selbst kurz vor dem Schaden stand. Der überholte Motor ist die vernünftige Mitte. Der neue Motor lohnt sich nur bei jungen, wertvollen Fahrzeugen.
Achtung
„Generalüberholt" ist kein geschützter Begriff. Lassen Sie sich die Arbeitsliste geben: Welche Teile wurden ersetzt, welche vermessen? Ein Motor, bei dem nur die Dichtungen neu sind, wird gern als überholt verkauft.
Was ein Austauschmotor kostet
Belastbare Zahlen gibt es nur für konkrete Motoren. AUTO BILD hat die Preise am Beispiel eines Golf VI 1.6 Benziners erhoben: Beim freien Instandsetzer kostet ein Teilmotor etwa 1.200 Euro ohne Einbau, ein Teilkomplettmotor ungefähr 2.000 Euro. Beim Vertragshändler lagen der Teilmotor bei 2.000 Euro und der Teilkomplettmotor bei 4.500 Euro im Tausch beziehungsweise 7.300 Euro als Neuteil.
Dazu kommt der Einbau. Ein Fachbetrieb rechnet laut AUTO BILD rund 100 Euro pro Stunde ab und braucht für Aus- und Einbau etwa drei Tage, was rund 2.400 Euro Lohnkosten ergibt. Einen vollständig überholten Motor mit vier neuen Kolben beziffert AUTO BILD auf rund 5.000 Euro.
Diese Werte gelten für einen gängigen Vierzylinder. Sechszylinder, Diesel mit aufwendiger Abgasnachbehandlung und AMG-, M- oder RS-Motoren liegen deutlich darüber; hier hilft nur ein Angebot für den konkreten Motorcode. Für einzelne Motoren haben wir eigene Ratgeber mit typischen Schäden, zum Beispiel BMW N47, OM 654, 2.0 TFSI und Ford EcoBoost.
Achtung
Internetangebote wie „ATM ab 599 Euro" bezeichnet AUTO BILD als irreführend. Hinter solchen Preisen steckt meist ein ungeprüfter Gebrauchtmotor ohne Anbauteile, ohne Einbau und ohne belastbare Gewährleistung.
Motorschaden-Kosten-Rechner
Motorpreise aus gesammelten Marktangeboten
Was zum Motorpreis dazukommt
Der Einbau ist nicht das Einzige. Was im Angebot stehen sollte:
- Einbau: Aus- und Einbau des Motors mit ausgewiesenen Arbeitsstunden und Stundensatz
- Anbauteile umbauen: Bei einem Rumpf- oder Teilmotor müssen Ansaugung, Abgaskrümmer, Turbolader, Injektoren, Lichtmaschine und Klimakompressor vom alten Motor übernommen werden, was mehrere Arbeitsstunden bedeutet, die im Angebot stehen müssen
- Verschleißteile im Zuge: Kupplung und Zweimassenschwungrad, Wasserpumpe, Zahnriemen, Motorlager, wenn sie ohnehin zugänglich sind
- Betriebsstoffe und Kleinteile: Öl, Kühlmittel, Filter, Schrauben
- Steuergerät: Anlernen oder Codieren
- Altteilpfand: Viele Anbieter berechnen ein Pfand auf den alten Motor, das nach Rückgabe erstattet wird
Klären Sie außerdem, ob Sie einen Teilmotor (auch Rumpfmotor: Block mit Kurbeltrieb), einen Teilkomplettmotor (dazu Zylinderkopf) oder einen Komplettmotor (mit allen Anbauteilen) kaufen. Der Preisunterschied ist groß, und ein Rumpfmotor nützt nichts, wenn der alte Zylinderkopf ebenfalls defekt ist. Mehr dazu unter nackter oder kompletter Motor.
Profi-Tipp
Fragen Sie nach einem Komplettpreis „eingebaut, fahrbereit, mit Gewährleistung". Nur so sind Angebote vergleichbar. Ein günstiger Motorpreis sagt nichts über die Endsumme aus.
Der Motorcode: warum er über alles entscheidet
Ein 2.0 TDI ist nicht gleich ein 2.0 TDI. Hinter derselben Bezeichnung stecken oft zahlreiche Motorcodes mit anderen Injektoren, Steuergeräten, Abgasnormen und Anbauteilen. Der Austauschmotor muss zum Motorcode Ihres Fahrzeugs passen, nicht nur zum Hubraum. Und dieselben Buchstaben können bei zwei Herstellern zwei verschiedene Motoren meinen: Hersteller und Hubraum gehören immer dazu.
Wie Sie den Code finden, steht im Ratgeber Motorcode herausfinden. Im Fahrzeugschein steht er nicht, über HSN/TSN oder die Fahrgestellnummer lässt er sich aber schnell ermitteln.
Gewährleistung und Garantie
Beim Kauf eines Motors gilt die gesetzliche Gewährleistung von zwei Jahren (§ 438 BGB). Bei gebrauchten Waren darf ein Händler die Frist gegenüber Verbrauchern auf ein Jahr verkürzen, aber nur, wenn der Käufer vorher eigens darüber informiert wurde und die Verkürzung im Vertrag ausdrücklich und gesondert vereinbart ist (§ 476 Abs. 2 BGB). Zeigt sich ein Mangel innerhalb eines Jahres nach Übergabe, wird vermutet, dass er schon bei Übergabe vorlag (§ 477 BGB).
AUTO BILD beschreibt die Praxis so: Auf gebrauchte Motoren geben Händler üblicherweise zwölf Monate, seriöse Instandsetzer auf überholte Motoren meist zwei Jahre. Herstellergarantien sind meist an den Einbau durch einen Fachbetrieb und an die Einfahrvorschrift gebunden. Was im Garantiefall zählt, steht unter Austauschmotor Garantie.
Woran Sie einen seriösen Anbieter erkennen
Der Motorenhandel ist ein Markt mit vielen unseriösen Anbietern, mehr dazu im Ratgeber Gefahren im Motoren-Markt. Die fünf Punkte, die zählen:
- Arbeitsliste zum überholten Motor, nicht nur das Wort „überholt"
- Gewährleistung schriftlich, mit Laufzeit, Kilometergrenze und Bedingungen (meist: Einbau durch Fachbetrieb, Einfahrvorschrift)
- Nachweis der Laufleistung beim Gebrauchtmotor, etwa die Fahrgestellnummer des Spenderfahrzeugs
- Firma mit Adresse und Historie, kein Anbieter, der erst seit Monaten besteht
- Rechnung mit ausgewiesener Mehrwertsteuer
Das Wichtigste in Kürze
- Überholt statt gebraucht, wenn Sie das Auto behalten wollen; der Aufpreis ist die Gewährleistung
- Komplettpreis eingebaut vergleichen, nie den Motorpreis allein
- Motorcode vor der Anfrage klären
- Übersteigen die Gesamtkosten den Fahrzeugwert deutlich, ist der Verkauf mit Motorschaden meist die bessere Wahl
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Quellen
- AUTO BILD – https://www.autobild.de/artikel/austauschmotor-beim-motorschaden-14442849.html – Preise Golf VI 1.6 (Teilmotor ca. 1.200 Euro, Teilkomplettmotor ca. 2.000 Euro beim Instandsetzer; 2.000 / 4.500 / 7.300 Euro beim Händler), Stundensatz rund 100 Euro, etwa drei Tage Einbau (rund 2.400 Euro), komplett überholter Motor rund 5.000 Euro, Gewährleistungspraxis (zwölf Monate gebraucht, zwei Jahre bei seriösen Instandsetzern), „ATM ab 599 Euro"
- gesetze-im-internet.de – https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__438.html – Verjährung der Mängelansprüche zwei Jahre
- gesetze-im-internet.de – https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__476.html – Verkürzung auf ein Jahr bei gebrauchten Waren nur bei ausdrücklicher, gesonderter Vereinbarung
- gesetze-im-internet.de – https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__477.html – Beweislastumkehr zwölf Monate
Häufige Fragen
Was kostet ein Austauschmotor mit Einbau?
Für einen Golf VI 1.6 nennt AUTO BILD rund 1.200 Euro für einen Teilmotor und rund 2.000 Euro für einen Teilkomplettmotor ohne Einbau, dazu etwa drei Arbeitstage zu rund 100 Euro pro Stunde. Für andere Motoren hilft nur ein Angebot für den konkreten Motorcode.
Was ist der Unterschied zwischen Austauschmotor und Motorinstandsetzung?
Beim Austauschmotor wird ein anderer Motor eingebaut, bei der Instandsetzung Ihr eigener repariert. Der Austausch ist schneller und bei gängigen Motoren oft günstiger; die Instandsetzung lohnt bei begrenztem Schaden, seltenem Motor oder hohem Fahrzeugwert.
Wie lange hält ein Austauschmotor?
Ein sauber überholter Motor mit neuen Lagern, Kolbenringen und Steuertrieb ist bei normaler Pflege wieder auf die Laufleistung eines Neumotors ausgelegt. Ein gebrauchter Motor hält so lange, wie sein Vorleben es zulässt; deshalb zählt der Laufleistungsnachweis.
Welche Gewährleistung gibt es auf einen Austauschmotor?
Gesetzlich zwei Jahre beim Kauf durch Verbraucher. Bei gebrauchten Teilen darf der Händler sie auf ein Jahr verkürzen, aber nur, wenn das ausdrücklich und gesondert im Vertrag vereinbart ist. Seriöse Instandsetzer geben auf überholte Motoren laut AUTO BILD meist zwei Jahre.
Kann ich einen Austauschmotor selbst einbauen?
Technisch ja, aber die meisten Anbieter knüpfen ihre Garantie an den Einbau durch einen Fachbetrieb. Ohne Nachweis über Einbau, Öl und Einfahrvorschrift wird es bei einem Folgeschaden schwer, Ansprüche durchzusetzen.
Woher weiß ich, welcher Motor in mein Auto passt?
Über den Motorcode. Er steht nicht im Fahrzeugschein, lässt sich aber über HSN/TSN, die Fahrgestellnummer oder direkt am Motorblock ermitteln. Ein Anbieter, der nur nach „2.0 TDI" fragt, arbeitet nicht sauber.


